Unlimitierte Intelligenz #3: Warum Sie zu höflich zur KI sind

Film-Noir-Illustration: Der Promptfather sitzt an einem dunklen Schreibtisch und schiebt einen kleinen Blumenstrauß zurück in Richtung eines eisblau leuchtenden Terminals.

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Beobachten Sie sich diese Woche einmal selbst, wenn Sie mit einer KI arbeiten. Nicht bei dem, was Sie fragen. Bei dem, wie Sie fragen.

Ich mache diese Beobachtung seit Jahren, und sie ist verblüffend konstant: Menschen stellen eine Frage. Genau eine. Vorsichtig formuliert, so wie man einen Kollegen anspricht, der erkennbar im Stress ist.

Und dann bedanken sich die meisten. Manche entschuldigen sich sogar, bevor sie um eine Überarbeitung bitten. „Sorry, könntest du das vielleicht noch etwas kürzer fassen?“

Ich habe Führungskräfte gesehen, die einer KI gegenüber diplomatischer auftreten als gegenüber ihrem eigenen Vorstand.

Höflichkeit ist kein Charakterzug. Sie ist ein Fossil.

Jede soziale Regel, die Sie im Berufsleben gelernt haben, ist eine Regel für den Umgang mit knappen Menschen. Man fragt nicht fünfmal nach. Man fordert keine zwanzig Varianten. Man verpackt Kritik in Watte, weil der Kollege morgen wieder neben einem sitzt.

Das ist richtig und zutiefst menschlich. Nur läuft dieses Programm weiter, wenn wir uns an die KI wenden.

Die drei Gewohnheiten, die Qualität kosten

Das Problem ist nicht die Freundlichkeit. Ob Sie „bitte“ schreiben, ist fürs Ergebnis egal. Das Problem sind die drei Gewohnheiten, die mit ihr im Paket kommen:

  • Wir fordern zu wenig. Wer fünf Vorschläge anfordert, bekommt die fünf naheliegendsten. Die interessanten wohnen bei Nummer 30 oder 50 — dort, wo das Naheliegende erschöpft ist.
  • Wir brechen zu früh ab. Wir nehmen die dritte Version, obwohl sie uns nicht überzeugt. Einzeln unsichtbar, in Summe gewaltig.
  • Wir kritisieren nicht. „Kannst du das noch etwas überarbeiten“ bringt Kosmetik. „Der zweite Absatz ist eine Floskelsammlung, streich ihn“ bringt Ergebnisse.

Auf Bühnen sage ich an dieser Stelle gern augenzwinkernd: Der KI zu drohen hilft immer. Der ernste Kern darunter: Nicht die Drohung wirkt, sondern die Klarheit.

Sie dürfen so höflich sein, wie Sie wollen. Sie dürfen nur nicht unklar sein. Und Unklarheit ist leider die Muttersprache der Rücksichtnahme.

Eine Übung für diese Woche

Nehmen Sie eine echte Aufgabe. Stellen Sie Ihre Anfrage wie immer und speichern Sie das Ergebnis. Dann verlangen Sie das Zwanzigfache. Und dann zerlegen Sie das beste Ergebnis schriftlich — mindestens fünf konkrete Schwächen, so schonungslos, wie Sie es einem Menschen gegenüber nie tun würden.

Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Version ist keine Eigenschaft der KI. Es ist die Größe Ihrer eigenen Hemmung.

Wo geben Sie sich mit einem Ergebnis zufrieden, das Sie nur deshalb akzeptieren, weil Nachfordern sich falsch anfühlt?


Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit der vollständigen Eskalationsübung in fünf Stufen, dem Rollentausch, bei dem die KI Sie kritisiert — und einem Wort zur Ehrenrettung der Höflichkeit, das erklärt, warum diese Serie kein Plädoyer für Verrohung ist.

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