Unlimitierte Intelligenz #5: In fünf Jahren haben Sie keine KI. Sie sind abgehängt.

Film-Noir-Illustration: Der Promptfather steht am Fuß einer steilen Treppe aus eisblauem Licht, die nach oben ins Dunkel führt; im Schatten dahinter stehen unbewegte Silhouetten.

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Es gibt eine Denkfigur, die in fast jedem Managementgespräch über KI auftaucht, meist mit dem ruhigen Selbstbewusstsein langer Berufserfahrung vorgetragen:

„Erst der Hype, dann die Ernüchterung, dann die Reife. Wer klug ist, wartet die ersten zwei Phasen ab und kauft in der dritten.“

Ich verstehe das gut. Über Jahrzehnte war es richtig. Wer 1985 keinen Computer kaufte, sondern 1992, bekam ein besseres Gerät zum halben Preis — und hatte wenig verpasst. Der Computer von 1992 stand für alle gleich auf dem Schreibtisch.

Heute höre ich dieselbe Logik in neuer Verpackung: „Dann steht in fünf Jahren halt der KI-Computer auf meinem Tisch.“

An dieser Stelle muss ich hart widersprechen.

Lineares Denken versagt an Exponentialkurven

Wir alle haben in den Covid-Jahren eine schmerzhafte Lektion über exponentielles Wachstum gelernt: Der Mensch denkt linear, und lineares Denken versagt an Exponentialkurven zuverlässig.

Am Anfang wirkt exponentielles Wachstum harmlos. Die Zahlen sind klein, die Skeptiker fühlen sich bestätigt. Dann kommt der Knick — und wer erst dann reagiert, ist zu spät.

Bei linearem Fortschritt ist Warten günstig. Der Rückstand bleibt überschaubar.

Bei exponentiellem Fortschritt dreht sich die Rechnung um: Der Abstand zwischen dem, der heute anfängt, und dem, der in fünf Jahren anfängt, ist nicht fünf Jahre groß. Er ist so groß wie alles, was in fünf Verdopplungsperioden übereinandergeschichtet wurde.

Was der Wartende wirklich verliert

Der häufigste Einwand: Die bessere Technologie steht mir doch später genauso zur Verfügung.

Stimmt. Und geht am Punkt vorbei, weil er unterstellt, der Wert stecke in der Technologie. Tut er nicht. Der Elektromotor war 1890 für jede Fabrik käuflich — was die erfolgreichen Fabriken unterschied, war die neu gedachte Fabrik um ihn herum. Die konnte man nicht kaufen.

  • Die Menschen. Fünf Jahre Erfahrung im Denken mit KI lassen sich so wenig kaufen wie Berufserfahrung
  • Die Use Cases. Die wertvollsten stehen in keinem Katalog, sie entstehen aus der eigenen Arbeit
  • Den Kontext. Wer 2031 beginnt, füttert seine KI mit dem Wissensstand von 2031 — der Wettbewerber sitzt auf einem halben Jahrzehnt aufbereiteter Erfahrung
  • Den Markt. Während Sie warten, wartet Ihre Konkurrenz vielleicht nicht

Ein Nebeneffekt derselben Kurve, den ich in Workshops immer betone: Was gestern nicht funktioniert hat, funktioniert morgen. Nicht aufgeben und urteilen „ist halt zu dumm“, sondern wieder ausprobieren. Ein Testergebnis hat bei dieser Technologie ein Ablaufdatum von wenigen Monaten.

Was „heute anfangen“ konkret heißt

Nicht: morgen ein KI-Großprojekt ausschreiben. Hektik ist nur die zweite Form der Hilflosigkeit, gleich nach dem Warten.

Es heißt: die eigenen sechs Stunden absolvieren. Das Experimentieren im eigenen Bereich ausdrücklich erlauben. Und ein einziges wiederkehrendes Arbeitspaket vier Wochen lang konsequent mit KI bearbeiten.

Worauf genau warten Sie eigentlich — und woran würden Sie merken, dass es so weit ist?


Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit den Zahlen zur Verdopplungsgeschwindigkeit, allen vier Verlustschichten im Detail — und der bequemen Variante des Wartens, die sich als Qualitätsanspruch tarnt.

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