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  • Gesucht: Lektorat für mein neues Buch

    Gesucht: Lektorat für mein neues Buch

    Mein Manuskript ist fertig. Jetzt suche ich die Person, die mir sagt, wo es das nicht ist.

    Ich habe ein Buch darüber geschrieben, wie sich Denken verändert, wenn Intelligenz nicht mehr knapp ist. Geschrieben habe ich es mit KI als Denkpartner. Und genau deshalb braucht es jetzt ein menschliches Lektorat.

    Das ist kein Widerspruch zur These des Buchs. Das ist die These.

    Gesucht: Lektorat und Korrektorat für ein Wirtschafts-Sachbuch, rund 27.000 Wörter, 19 Kapitel. Wien wäre schön, remote geht genauso.

    Mit wem habt ihr im Lektorat gearbeitet, und was hat diese Person mit eurem Text gemacht?

  • Unlimitierte Intelligenz #6: Der faire Vergleich

    Unlimitierte Intelligenz #6: Der faire Vergleich

    Ein Unternehmen prüft, ob es Callcenter-Anfragen mit KI beantworten lässt. Der Pilot läuft, die Auswertung kommt auf den Tisch: Fehlerquote rund vier Prozent.

    Die Entscheidung fällt schnell und einstimmig: „Das können wir uns nicht leisten. Vier Prozent Fehler gegenüber unseren Kunden, undenkbar.“

    Projekt beendet, zurück zum Bewährten.

    Das wirkt auf den ersten Blick wie verantwortungsvolles Management. Bis jemand die eine Frage stellt, die in solchen Runden fast nie fällt:

    Wie hoch ist eigentlich die Fehlerquote der Menschen, die diese Anfragen heute beantworten?

    Stille. Niemand weiß es. Es hat nie jemand gemessen.

    Und wenn man misst, kommt regelmäßig heraus: Auch menschliche Agents geben falsche Auskünfte, verwechseln Tarife, vergessen Rückrufe, haben schlechte Tage. Die menschliche Fehlerquote liegt in vielen dieser Tätigkeiten über den vier Prozent, gegen die eben einstimmig entschieden wurde.

    Das Unternehmen hat eine Lösung abgelehnt, die weniger Fehler gemacht hätte als der Status quo — und fühlt sich dabei auch noch vorsichtig.

    Woher der Doppelstandard kommt

    Wir haben unsere Erwartungen an Maschinen über ein Jahrhundert an deterministischer Technik gebildet. Der Taschenrechner rechnet immer richtig. Software tut, was programmiert wurde, sonst ist es ein Bug.

    Bei Menschen dagegen haben wir gelernt, mit Fehlern zu leben. Vier-Augen-Prinzip, Freigabeschleifen, Kulanz, der schlechte Tag wird verziehen.

    Menschliche Fehler sind eingepreist. Maschinelle Fehler sind Skandale.

    Generative KI fällt zwischen diese Kategorien. Sie ist eine Maschine, aber keine deterministische — sie hat aus menschlichen Daten gelernt und macht deshalb menschenähnliche Fehler.

    Wer sie am Taschenrechner misst, lässt sie immer durchfallen. Wer sie am Menschen misst, entdeckt plötzlich, wie oft sie besteht.

    Vier Fragen, die in einer halben Stunde Klarheit schaffen

    • Wie gut ist die heutige Lösung wirklich? Die Basislinie ist Ihr Vergleichswert, nicht die Null
    • Was kostet ein Fehler hier? Ärgerlich und korrigierbar oder irreversibel? Je teurer, desto mehr menschliche Kontrolle, unabhängig von der Quote
    • Wo genau sitzt die Prüfung? Nicht „Mensch oder Maschine“, sondern: Wer erstellt, wer gibt frei, wer stichprobt
    • Wann messen wir wieder? Ein Nein ohne Wiedervorlagedatum ist kein Urteil, sondern eine Beerdigung

    Wichtig ist mir eine Abgrenzung: Das ist kein Argument dafür, Menschen zu ersetzen, wo die Quote es hergibt. Es ist ein Argument für Entscheidungen auf Basis echter Zahlen statt eines Reflexes.

    Meist lautet das Ergebnis ohnehin: Mensch und KI gemeinsam schlagen beide Einzellösungen.

    Nehmen Sie sich diese Woche einen Prozess vor, bei dem schon einmal jemand gesagt hat „das können wir uns nicht leisten“. Und fragen Sie dort zuerst nach der Basislinie.

    Wo in Ihrer Organisation wird gerade etwas an Perfektion gemessen, das der bestehende Prozess selbst nie erreicht hat?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit dem vollständigen Entscheidungsraster, der unbequemen Kehrseite des fairen Vergleichs — und der Frage eines Betriebsrats, die eine ernste Antwort verdient.

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  • Unlimitierte Intelligenz #5: In fünf Jahren haben Sie keine KI. Sie sind abgehängt.

    Unlimitierte Intelligenz #5: In fünf Jahren haben Sie keine KI. Sie sind abgehängt.

    Es gibt eine Denkfigur, die in fast jedem Managementgespräch über KI auftaucht, meist mit dem ruhigen Selbstbewusstsein langer Berufserfahrung vorgetragen:

    „Erst der Hype, dann die Ernüchterung, dann die Reife. Wer klug ist, wartet die ersten zwei Phasen ab und kauft in der dritten.“

    Ich verstehe das gut. Über Jahrzehnte war es richtig. Wer 1985 keinen Computer kaufte, sondern 1992, bekam ein besseres Gerät zum halben Preis — und hatte wenig verpasst. Der Computer von 1992 stand für alle gleich auf dem Schreibtisch.

    Heute höre ich dieselbe Logik in neuer Verpackung: „Dann steht in fünf Jahren halt der KI-Computer auf meinem Tisch.“

    An dieser Stelle muss ich hart widersprechen.

    Lineares Denken versagt an Exponentialkurven

    Wir alle haben in den Covid-Jahren eine schmerzhafte Lektion über exponentielles Wachstum gelernt: Der Mensch denkt linear, und lineares Denken versagt an Exponentialkurven zuverlässig.

    Am Anfang wirkt exponentielles Wachstum harmlos. Die Zahlen sind klein, die Skeptiker fühlen sich bestätigt. Dann kommt der Knick — und wer erst dann reagiert, ist zu spät.

    Bei linearem Fortschritt ist Warten günstig. Der Rückstand bleibt überschaubar.

    Bei exponentiellem Fortschritt dreht sich die Rechnung um: Der Abstand zwischen dem, der heute anfängt, und dem, der in fünf Jahren anfängt, ist nicht fünf Jahre groß. Er ist so groß wie alles, was in fünf Verdopplungsperioden übereinandergeschichtet wurde.

    Was der Wartende wirklich verliert

    Der häufigste Einwand: Die bessere Technologie steht mir doch später genauso zur Verfügung.

    Stimmt. Und geht am Punkt vorbei, weil er unterstellt, der Wert stecke in der Technologie. Tut er nicht. Der Elektromotor war 1890 für jede Fabrik käuflich — was die erfolgreichen Fabriken unterschied, war die neu gedachte Fabrik um ihn herum. Die konnte man nicht kaufen.

    • Die Menschen. Fünf Jahre Erfahrung im Denken mit KI lassen sich so wenig kaufen wie Berufserfahrung
    • Die Use Cases. Die wertvollsten stehen in keinem Katalog, sie entstehen aus der eigenen Arbeit
    • Den Kontext. Wer 2031 beginnt, füttert seine KI mit dem Wissensstand von 2031 — der Wettbewerber sitzt auf einem halben Jahrzehnt aufbereiteter Erfahrung
    • Den Markt. Während Sie warten, wartet Ihre Konkurrenz vielleicht nicht

    Ein Nebeneffekt derselben Kurve, den ich in Workshops immer betone: Was gestern nicht funktioniert hat, funktioniert morgen. Nicht aufgeben und urteilen „ist halt zu dumm“, sondern wieder ausprobieren. Ein Testergebnis hat bei dieser Technologie ein Ablaufdatum von wenigen Monaten.

    Was „heute anfangen“ konkret heißt

    Nicht: morgen ein KI-Großprojekt ausschreiben. Hektik ist nur die zweite Form der Hilflosigkeit, gleich nach dem Warten.

    Es heißt: die eigenen sechs Stunden absolvieren. Das Experimentieren im eigenen Bereich ausdrücklich erlauben. Und ein einziges wiederkehrendes Arbeitspaket vier Wochen lang konsequent mit KI bearbeiten.

    Worauf genau warten Sie eigentlich — und woran würden Sie merken, dass es so weit ist?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit den Zahlen zur Verdopplungsgeschwindigkeit, allen vier Verlustschichten im Detail — und der bequemen Variante des Wartens, die sich als Qualitätsanspruch tarnt.

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  • The Promptfather #7 – Das, was bleibt

    The Promptfather #7 – Das, was bleibt

    Die letzte Folge von „The Promptfather“ hat keine Pointe.

    Sechs Episoden lang kamen Menschen in dieses fiktive Büro, die etwas falsch gemacht hatten. Der Don hatte für jeden eine Geschichte parat: die Dampfmaschine, die Bibliothek von Alexandria, die Fotoplatte, der Landarzt, das Pferdefuhrwerk, das lachende Versandhaus.

    In Folge 7 kommt eine junge Mitarbeiterin. Sie will nichts. Sie hat nur eine Frage: Ersetzt sie uns irgendwann ganz? Die KI tröste besser als ihre Kollegen, sagt sie. Sie höre zu und werde nie müde.

    Der Don sagt ihr, dass er für diese Frage keine Geschichte hat.

    Dann setzt er sich hin. Zum ersten Mal auf Augenhöhe, ohne Schreibtisch dazwischen. Und sagt: Sie kann Mitgefühl beschreiben, perfekt sogar. Aber sie weiß nicht, wie es ist, morgen auch noch da sein zu müssen.

    The Promptfather Episode 7 Cover: Das, was bleibt
    Manchmal kommt jemand zum Promptfather, der nichts von ihm will
    Junge Mitarbeiterin: Ersetzt sie uns irgendwann ganz?
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Was bleibt dann noch von uns?
    Der Promptfather am Fenster bei Regen: Diese Frage hat keine Geschichte
    Krankenhausflur bei Nacht, zwei Menschen sitzen schweigend nebeneinander
    Der Promptfather sitzt auf Augenhöhe
    Die Lehre des Don: Empathie lässt sich simulieren. Geteiltes Schicksal nicht.

    Das ist für mich die Grenze, über die wir zu wenig reden. Nicht was KI kann – sondern was Anwesenheit bedeutet. Wer neben Ihnen im Krankenhausflur sitzt, tröstet Sie nicht durch die richtigen Worte. Sondern dadurch, dass er auch morgen noch dasitzt.

    Empathie lässt sich simulieren. Geteiltes Schicksal nicht.

    Danke fürs Mitlesen über sieben Folgen. Welche war Ihre?

  • Human in the Loop – oder Human in the Way?

    Human in the Loop – oder Human in the Way?

    2025 haben wir die Kontrollschleife gefeiert. 2026 ist sie oft nur noch die Person, die auf „OK“ klickt.

    Fast jede KI-Governance, die ich sehe, endet beim selben Satz: „Ein Mensch prüft das Ergebnis.“ Niemand fragt nach, ob dieser Mensch das überhaupt kann.

    ➡️ Hat er die Zeit, 200 Outputs am Tag wirklich zu prüfen?
    ➡️ Hat er das Fachwissen, den Fehler überhaupt zu sehen?
    ➡️ Darf er Nein sagen, ohne dass es ihn etwas kostet?
    ➡️ Und wenn er Nein sagt – geht der Fall zurück, oder trotzdem durch?

    Wenn eine dieser Antworten kippt, ist der Mensch keine Qualitätssicherung mehr. Er ist Haftungsverteilung. Ein Name unter einer Entscheidung, die er faktisch nicht getroffen hat.

    Dazu kommt etwas, das jeder kennt, der schon mal Freigaben gemacht hat: Nach dem 50. korrekten Ergebnis liest niemand das 51. noch genau. Kontrolle, die immer stattfindet, findet irgendwann nirgends mehr statt.

    Ich glaube nicht, dass wir weniger Menschen in Prozessen brauchen. Wir brauchen sie an anderen Stellen. 💪

    Nicht bei jedem Schritt, sondern dort, wo eine Entscheidung für einen anderen Menschen Konsequenzen hat. Stichprobe statt Dauerklick. Eskalation statt Ritual. Und ehrlich benannt, wo die Maschine allein läuft, statt einen Alibi-Menschen davorzustellen.

    Wo ist in euren Prozessen der Mensch echte Kontrolle – und wo nur noch eine Unterschrift?

  • Unlimitierte Intelligenz #4: Wir sind alle Anfänger. Zum Glück.

    Unlimitierte Intelligenz #4: Wir sind alle Anfänger. Zum Glück.

    Es gibt einen Satz, den ich nach Keynotes häufiger höre als jeden anderen. Er kommt in der Kaffeepause, meist etwas leiser gesprochen:

    „Für mich ist der Zug wahrscheinlich schon abgefahren.“

    Gesagt von einer Abteilungsleiterin Mitte fünfzig. Von einem Geschäftsführer, der seit dreißig Jahren erfolgreich ein Unternehmen führt. Von einer jungen Kollegin, die glaubt, alle anderen im Team seien längst weiter.

    Der Zug ist nicht abgefahren. Er steht noch am Bahnsteig. Es sitzen schon Leute drin — aber die meisten studieren gerade verwirrt den Fahrplan, und einige sind in den falschen Waggon gestiegen.

    Niemand hat es gelöst

    Dafür gibt es einen handfesten Grund: Es gibt keine Organisation, die das Thema KI komplett gelöst hat. Keine einzige. Die glänzenden Konferenzvorträge zeigen die drei Use Cases, die funktioniert haben — nicht die siebzehn, die vorher gescheitert sind.

    Bei früheren Technologien gab es einen echten, uneinholbaren Erfahrungsvorsprung. Wer 1995 zehn Jahre Softwareentwicklung im Rücken hatte, war schwer einzuholen.

    Generative KI ist anders. Sie verändert sich so schnell, dass ein großer Teil des Detailwissens von vor zwei Jahren heute wertlos ist:

    • Die ausgefeilten Prompt-Tricks von damals? Größtenteils überflüssig, weil die Modelle besser wurden
    • Die Grenzen, die jemand 2023 mühsam kartiert hat? Verschoben
    • Was Frühstarter wirklich besitzen, ist die Gewohnheit des Experimentierens — und die eignet man sich schneller an, als man glaubt

    Die Sechs-Stunden-These

    Meine These, die regelmäßig für hochgezogene Augenbrauen sorgt: Sechs Stunden intensive Beschäftigung genügen, um generative KI verstanden zu haben. Kein Drei-Monats-Kurs, kein zweiwöchiges E-Learning.

    Verstanden heißt nicht, dass Sie neuronale Netze erklären können. Sie müssen auch keinen Verbrennungsmotor konstruieren können, um exzellent Auto zu fahren.

    Verstanden heißt: Sie wissen, was die Technologie kann, wo ihre Grenzen liegen — und Sie denken im Alltag von selbst „Moment, das wäre doch etwas für die KI.“

    Genau deshalb versagen Kurse dort, wo sechs eigene Stunden funktionieren. Bei dieser Technologie kommt man vom Use zum Case: Die Idee entsteht durch die Nutzung, nicht davor.

    Eine Kollegin hat einfach experimentiert und kam von selbst darauf, ihre Fotos nicht mehr händisch zu kategorisieren. Niemand hätte ihr diesen Use Case in einer Schulung beibringen können — weil niemand außer ihr wusste, dass es diese lästige Aufgabe überhaupt gibt.

    Ein Hinweis noch: Nehmen Sie für die ersten Versuche keine sensiblen Daten in Gratisversionen. Gratis heißt meist, dass Ihre Eingaben zu Trainingszwecken gespeichert werden können.

    Sechs Stunden. Sie haben diese Woche vermutlich länger in Meetings gesessen, deren Ergebnis Sie nicht mehr erinnern.

    Was hält Sie eigentlich davon ab, diese sechs Stunden in den Kalender zu schreiben?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit dem kompletten Sechs-Stunden-Plan, Stunde für Stunde — inklusive der Stunde, in der die KI Ihnen das Prompten selbst beibringt, und der Stunde, in der Sie sie gezielt scheitern lassen.

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  • The Promptfather #6 – Vorgestern

    The Promptfather #6 – Vorgestern

    „In drei, vier Jahren steigen wir ein. Wenn die Technologie ausgereift ist.“

    Der Satz klingt vernünftig. In Folge 6 von „The Promptfather“ sagt ihn ein Unternehmer, zurückgelehnt, entspannt. Kein Risiko, sagt er. Wir sind vorsichtig, nicht rückständig.

    Der Promptfather erzählt ihm von 1997. Ein Versandhaus lachte damals über einen Buchhändler, der Bücher im Internet verkaufte. Der Katalog lag auf dem Tisch, der Computer stand unbeachtet in der Ecke. Vier Jahre später lachte niemand mehr.

    Dann dreht er den Bildschirm zur Wand. Eine Kurve, fast senkrecht. Der Unternehmer steht ganz unten am flachen Anfang und zeigt auf einen Punkt, der längst hinter ihm liegt.

    The Promptfather Episode 6 Cover: Vorgestern
    Man kommt nicht zum Promptfather, weil man zu früh dran ist
    Entspannter Unternehmer: In drei, vier Jahren steigen wir ein
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Wir sind vorsichtig, nicht rückständig
    Der Promptfather am Fenster, im Fenster ein Sitzungssaal der 1990er
    Sepia-Rückblende: Versandhaus-Vorstand lacht 1997
    Der Punkt, auf den Sie zeigen, liegt hinter Ihnen
    Die Lehre des Don: Der richtige Zeitpunkt war vorgestern

    Das ist der Denkfehler beim Abwarten: Wir stellen uns vor, die Technologie würde auf uns warten, während wir beobachten. Sie tut es nicht. Und der Abstand, den wir aufholen müssten, wächst nicht linear mit.

    Warten ist auch eine Entscheidung. Nur eine, die man nie begründen muss.

    Worauf warten Sie gerade?

  • Unlimitierte Intelligenz #3: Warum Sie zu höflich zur KI sind

    Unlimitierte Intelligenz #3: Warum Sie zu höflich zur KI sind

    Beobachten Sie sich diese Woche einmal selbst, wenn Sie mit einer KI arbeiten. Nicht bei dem, was Sie fragen. Bei dem, wie Sie fragen.

    Ich mache diese Beobachtung seit Jahren, und sie ist verblüffend konstant: Menschen stellen eine Frage. Genau eine. Vorsichtig formuliert, so wie man einen Kollegen anspricht, der erkennbar im Stress ist.

    Und dann bedanken sich die meisten. Manche entschuldigen sich sogar, bevor sie um eine Überarbeitung bitten. „Sorry, könntest du das vielleicht noch etwas kürzer fassen?“

    Ich habe Führungskräfte gesehen, die einer KI gegenüber diplomatischer auftreten als gegenüber ihrem eigenen Vorstand.

    Höflichkeit ist kein Charakterzug. Sie ist ein Fossil.

    Jede soziale Regel, die Sie im Berufsleben gelernt haben, ist eine Regel für den Umgang mit knappen Menschen. Man fragt nicht fünfmal nach. Man fordert keine zwanzig Varianten. Man verpackt Kritik in Watte, weil der Kollege morgen wieder neben einem sitzt.

    Das ist richtig und zutiefst menschlich. Nur läuft dieses Programm weiter, wenn wir uns an die KI wenden.

    Die drei Gewohnheiten, die Qualität kosten

    Das Problem ist nicht die Freundlichkeit. Ob Sie „bitte“ schreiben, ist fürs Ergebnis egal. Das Problem sind die drei Gewohnheiten, die mit ihr im Paket kommen:

    • Wir fordern zu wenig. Wer fünf Vorschläge anfordert, bekommt die fünf naheliegendsten. Die interessanten wohnen bei Nummer 30 oder 50 — dort, wo das Naheliegende erschöpft ist.
    • Wir brechen zu früh ab. Wir nehmen die dritte Version, obwohl sie uns nicht überzeugt. Einzeln unsichtbar, in Summe gewaltig.
    • Wir kritisieren nicht. „Kannst du das noch etwas überarbeiten“ bringt Kosmetik. „Der zweite Absatz ist eine Floskelsammlung, streich ihn“ bringt Ergebnisse.

    Auf Bühnen sage ich an dieser Stelle gern augenzwinkernd: Der KI zu drohen hilft immer. Der ernste Kern darunter: Nicht die Drohung wirkt, sondern die Klarheit.

    Sie dürfen so höflich sein, wie Sie wollen. Sie dürfen nur nicht unklar sein. Und Unklarheit ist leider die Muttersprache der Rücksichtnahme.

    Eine Übung für diese Woche

    Nehmen Sie eine echte Aufgabe. Stellen Sie Ihre Anfrage wie immer und speichern Sie das Ergebnis. Dann verlangen Sie das Zwanzigfache. Und dann zerlegen Sie das beste Ergebnis schriftlich — mindestens fünf konkrete Schwächen, so schonungslos, wie Sie es einem Menschen gegenüber nie tun würden.

    Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Version ist keine Eigenschaft der KI. Es ist die Größe Ihrer eigenen Hemmung.

    Wo geben Sie sich mit einem Ergebnis zufrieden, das Sie nur deshalb akzeptieren, weil Nachfordern sich falsch anfühlt?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit der vollständigen Eskalationsübung in fünf Stufen, dem Rollentausch, bei dem die KI Sie kritisiert — und einem Wort zur Ehrenrettung der Höflichkeit, das erklärt, warum diese Serie kein Plädoyer für Verrohung ist.

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  • The Promptfather #5 – Der Maßstab

    The Promptfather #5 – Der Maßstab

    Eine KI macht einen Fehler. Das Projekt wird gestoppt.

    Diese Geschichte höre ich immer wieder. In Folge 5 von „The Promptfather“ sitzt eine Abteilungsleiterin vor mir und ist empört: ein einziger Fehler, und der Vorstand hat alles abgedreht. Man könne sich doch nicht auf etwas verlassen, das Fehler macht.

    Der Promptfather erzählt ihr von 1912. Die ersten Autos hatten Unfälle, man wollte sie fast wieder verbieten. Verglichen hat man sie mit einem Ideal von Sicherheit. Nicht mit dem, was tatsächlich auf den Straßen unterwegs war: Pferdefuhrwerke, die täglich Menschen verletzten.

    Dann legt er zwei Akten auf den Tisch. Links die Fehler der Maschine. Rechts die Fehler der Abteilung, aus einem einzigen Jahr. Der rechte Stapel reicht bis zur Decke.

    The Promptfather Episode 5 Cover: Der Maßstab
    Man kommt nicht zum Promptfather, weil die Maschine perfekt war
    Empörte Abteilungsleiterin: Die KI hat einen Fehler gemacht
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Man kann sich doch nicht auf etwas verlassen, das Fehler macht
    Der Promptfather am Fenster, im Fenster eine Straßenszene von 1912
    Sepia-Rückblende: Pferdefuhrwerk-Unfall 1912
    Links die Fehler der Maschine, rechts Ihre eigenen
    Die Lehre des Don: Fair wäre der Vergleich mit uns

    Wir halten KI gegen Perfektion. Und merken nicht, dass wir uns selbst diesem Maßstab nie ausgesetzt haben.

    Wie viele Fehler hat Ihr Team letztes Jahr gemacht? Und wie viele davon haben ein Projekt gekostet?

  • Unlimitierte Intelligenz #2: Was sich gerade wirklich geändert hat

    Unlimitierte Intelligenz #2: Was sich gerade wirklich geändert hat

    Denken Sie an die letzte wichtige Entscheidung in Ihrer Organisation. Eine Strategie, eine Investition, eine Umstrukturierung.

    Wie viele kluge Köpfe haben tatsächlich mitgedacht? Zwei? Fünf? Vielleicht zehn, wenn es ein großer Wurf war.

    Und jetzt die unbequeme Anschlussfrage: Waren das die zehn klügsten Köpfe, die es zu diesem Thema gibt?

    Natürlich nicht. Es waren die zehn, die verfügbar waren. Die im richtigen Gebäude saßen, im richtigen Kalender Platz hatten, im richtigen Budget untergebracht waren.

    Das ist keine Kritik an Ihrer Organisation. Das ist die Bedingung, unter der Menschen immer gearbeitet haben: Intelligenz war knapp.

    Woran man eine Knappheit erkennt

    Man erkennt eine Knappheit daran, was Menschen erfunden haben, um mit ihr fertigzuwerden:

    • Die Hierarchie: Wenige denken, viele führen aus — weil Denkleistung nicht überall verfügbar war
    • Das Expertentum: Weil niemand alles wissen kann, wird der Zugang zum Spezialisten zum Engpass
    • Das Meeting: Wir synchronisieren knappe Köpfe auf ein Zeitfenster, weil ihr gleichzeitiges Denken anders nicht zu haben ist
    • Der Bericht: Weil die Entscheiderin nicht alles lesen kann, verdichten andere für sie — und bei jeder Verdichtung geht etwas verloren

    Sogar unsere Vorstellung von guter Arbeit ist ein Kind der Knappheit. Wir loben Menschen dafür, dass sie mit wenig Information gut entscheiden. Das sind echte Tugenden — aber Tugenden des Mangels, so wie Sparsamkeit eine Tugend der Armut ist.

    Sie beantworten die Frage: Wie hole ich das Beste aus zu wenig Denkkapazität?

    Niemand hat uns je beigebracht, die andere Frage zu stellen. Sie war nie relevant: Was tue ich, wenn Denkkapazität kein Engpass mehr ist?

    Wir verhandeln mit einer unbegrenzten Ressource

    Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist genau das der Fall. Und weil es das nie gab, haben wir keinerlei Übung darin.

    Das sieht man an einem Verhalten, das mir täglich begegnet: Jemand bittet die KI um fünf Ideen. Zwei sind brauchbar. Vorgang abgeschlossen.

    Da hat ein Mensch mit einer unbegrenzten Ressource verhandelt, als säße ihm ein beschäftigter Kollege gegenüber.

    Dabei dürfte man sagen: Diese fünf reichen mir nicht, gib mir fünfzig. Das klingt nach schlechtem Benehmen und ist einfach die angemessene Arbeitsweise mit einer unbegrenzten Ressource.

    Ein Selbstversuch für diese Woche

    Nehmen Sie eine echte Aufgabe. Stellen Sie Ihre Anfrage wie immer. Und dann verzehnfachen Sie — wörtlich.

    Beobachten Sie dabei zwei Dinge. Was bei Vorschlag 37 auftaucht, das bei Vorschlag 5 nie aufgetaucht wäre. Und Ihr eigenes leises Unbehagen beim Verzehnfachen.

    Das ist Ihr Knappheitsdenken. Sie begegnen ihm gerade zum ersten Mal von außen.

    Wo in Ihrer Arbeit geben Sie sich mit dem zufrieden, was nach fünf Runden auf dem Tisch liegt?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit dem, was der eigentliche technische Durchbruch war und ständig unterschätzt wird, warum Knappheit nicht nur unsere Prozesse geformt hat, sondern unsere Ambitionen — und weshalb auch unsere Fragen an die KI zu klein sind.

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