Kategorie: Allgemein

  • Gesucht: Lektorat für mein neues Buch

    Gesucht: Lektorat für mein neues Buch

    Mein Manuskript ist fertig. Jetzt suche ich die Person, die mir sagt, wo es das nicht ist.

    Ich habe ein Buch darüber geschrieben, wie sich Denken verändert, wenn Intelligenz nicht mehr knapp ist. Geschrieben habe ich es mit KI als Denkpartner. Und genau deshalb braucht es jetzt ein menschliches Lektorat.

    Das ist kein Widerspruch zur These des Buchs. Das ist die These.

    Gesucht: Lektorat und Korrektorat für ein Wirtschafts-Sachbuch, rund 27.000 Wörter, 19 Kapitel. Wien wäre schön, remote geht genauso.

    Mit wem habt ihr im Lektorat gearbeitet, und was hat diese Person mit eurem Text gemacht?

  • The Promptfather #7 – Das, was bleibt

    The Promptfather #7 – Das, was bleibt

    Die letzte Folge von „The Promptfather“ hat keine Pointe.

    Sechs Episoden lang kamen Menschen in dieses fiktive Büro, die etwas falsch gemacht hatten. Der Don hatte für jeden eine Geschichte parat: die Dampfmaschine, die Bibliothek von Alexandria, die Fotoplatte, der Landarzt, das Pferdefuhrwerk, das lachende Versandhaus.

    In Folge 7 kommt eine junge Mitarbeiterin. Sie will nichts. Sie hat nur eine Frage: Ersetzt sie uns irgendwann ganz? Die KI tröste besser als ihre Kollegen, sagt sie. Sie höre zu und werde nie müde.

    Der Don sagt ihr, dass er für diese Frage keine Geschichte hat.

    Dann setzt er sich hin. Zum ersten Mal auf Augenhöhe, ohne Schreibtisch dazwischen. Und sagt: Sie kann Mitgefühl beschreiben, perfekt sogar. Aber sie weiß nicht, wie es ist, morgen auch noch da sein zu müssen.

    The Promptfather Episode 7 Cover: Das, was bleibt
    Manchmal kommt jemand zum Promptfather, der nichts von ihm will
    Junge Mitarbeiterin: Ersetzt sie uns irgendwann ganz?
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Was bleibt dann noch von uns?
    Der Promptfather am Fenster bei Regen: Diese Frage hat keine Geschichte
    Krankenhausflur bei Nacht, zwei Menschen sitzen schweigend nebeneinander
    Der Promptfather sitzt auf Augenhöhe
    Die Lehre des Don: Empathie lässt sich simulieren. Geteiltes Schicksal nicht.

    Das ist für mich die Grenze, über die wir zu wenig reden. Nicht was KI kann – sondern was Anwesenheit bedeutet. Wer neben Ihnen im Krankenhausflur sitzt, tröstet Sie nicht durch die richtigen Worte. Sondern dadurch, dass er auch morgen noch dasitzt.

    Empathie lässt sich simulieren. Geteiltes Schicksal nicht.

    Danke fürs Mitlesen über sieben Folgen. Welche war Ihre?

  • The Promptfather #6 – Vorgestern

    The Promptfather #6 – Vorgestern

    „In drei, vier Jahren steigen wir ein. Wenn die Technologie ausgereift ist.“

    Der Satz klingt vernünftig. In Folge 6 von „The Promptfather“ sagt ihn ein Unternehmer, zurückgelehnt, entspannt. Kein Risiko, sagt er. Wir sind vorsichtig, nicht rückständig.

    Der Promptfather erzählt ihm von 1997. Ein Versandhaus lachte damals über einen Buchhändler, der Bücher im Internet verkaufte. Der Katalog lag auf dem Tisch, der Computer stand unbeachtet in der Ecke. Vier Jahre später lachte niemand mehr.

    Dann dreht er den Bildschirm zur Wand. Eine Kurve, fast senkrecht. Der Unternehmer steht ganz unten am flachen Anfang und zeigt auf einen Punkt, der längst hinter ihm liegt.

    The Promptfather Episode 6 Cover: Vorgestern
    Man kommt nicht zum Promptfather, weil man zu früh dran ist
    Entspannter Unternehmer: In drei, vier Jahren steigen wir ein
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Wir sind vorsichtig, nicht rückständig
    Der Promptfather am Fenster, im Fenster ein Sitzungssaal der 1990er
    Sepia-Rückblende: Versandhaus-Vorstand lacht 1997
    Der Punkt, auf den Sie zeigen, liegt hinter Ihnen
    Die Lehre des Don: Der richtige Zeitpunkt war vorgestern

    Das ist der Denkfehler beim Abwarten: Wir stellen uns vor, die Technologie würde auf uns warten, während wir beobachten. Sie tut es nicht. Und der Abstand, den wir aufholen müssten, wächst nicht linear mit.

    Warten ist auch eine Entscheidung. Nur eine, die man nie begründen muss.

    Worauf warten Sie gerade?

  • Unlimitierte Intelligenz #3: Warum Sie zu höflich zur KI sind

    Unlimitierte Intelligenz #3: Warum Sie zu höflich zur KI sind

    Beobachten Sie sich diese Woche einmal selbst, wenn Sie mit einer KI arbeiten. Nicht bei dem, was Sie fragen. Bei dem, wie Sie fragen.

    Ich mache diese Beobachtung seit Jahren, und sie ist verblüffend konstant: Menschen stellen eine Frage. Genau eine. Vorsichtig formuliert, so wie man einen Kollegen anspricht, der erkennbar im Stress ist.

    Und dann bedanken sich die meisten. Manche entschuldigen sich sogar, bevor sie um eine Überarbeitung bitten. „Sorry, könntest du das vielleicht noch etwas kürzer fassen?“

    Ich habe Führungskräfte gesehen, die einer KI gegenüber diplomatischer auftreten als gegenüber ihrem eigenen Vorstand.

    Höflichkeit ist kein Charakterzug. Sie ist ein Fossil.

    Jede soziale Regel, die Sie im Berufsleben gelernt haben, ist eine Regel für den Umgang mit knappen Menschen. Man fragt nicht fünfmal nach. Man fordert keine zwanzig Varianten. Man verpackt Kritik in Watte, weil der Kollege morgen wieder neben einem sitzt.

    Das ist richtig und zutiefst menschlich. Nur läuft dieses Programm weiter, wenn wir uns an die KI wenden.

    Die drei Gewohnheiten, die Qualität kosten

    Das Problem ist nicht die Freundlichkeit. Ob Sie „bitte“ schreiben, ist fürs Ergebnis egal. Das Problem sind die drei Gewohnheiten, die mit ihr im Paket kommen:

    • Wir fordern zu wenig. Wer fünf Vorschläge anfordert, bekommt die fünf naheliegendsten. Die interessanten wohnen bei Nummer 30 oder 50 — dort, wo das Naheliegende erschöpft ist.
    • Wir brechen zu früh ab. Wir nehmen die dritte Version, obwohl sie uns nicht überzeugt. Einzeln unsichtbar, in Summe gewaltig.
    • Wir kritisieren nicht. „Kannst du das noch etwas überarbeiten“ bringt Kosmetik. „Der zweite Absatz ist eine Floskelsammlung, streich ihn“ bringt Ergebnisse.

    Auf Bühnen sage ich an dieser Stelle gern augenzwinkernd: Der KI zu drohen hilft immer. Der ernste Kern darunter: Nicht die Drohung wirkt, sondern die Klarheit.

    Sie dürfen so höflich sein, wie Sie wollen. Sie dürfen nur nicht unklar sein. Und Unklarheit ist leider die Muttersprache der Rücksichtnahme.

    Eine Übung für diese Woche

    Nehmen Sie eine echte Aufgabe. Stellen Sie Ihre Anfrage wie immer und speichern Sie das Ergebnis. Dann verlangen Sie das Zwanzigfache. Und dann zerlegen Sie das beste Ergebnis schriftlich — mindestens fünf konkrete Schwächen, so schonungslos, wie Sie es einem Menschen gegenüber nie tun würden.

    Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Version ist keine Eigenschaft der KI. Es ist die Größe Ihrer eigenen Hemmung.

    Wo geben Sie sich mit einem Ergebnis zufrieden, das Sie nur deshalb akzeptieren, weil Nachfordern sich falsch anfühlt?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit der vollständigen Eskalationsübung in fünf Stufen, dem Rollentausch, bei dem die KI Sie kritisiert — und einem Wort zur Ehrenrettung der Höflichkeit, das erklärt, warum diese Serie kein Plädoyer für Verrohung ist.

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  • The Promptfather #5 – Der Maßstab

    The Promptfather #5 – Der Maßstab

    Eine KI macht einen Fehler. Das Projekt wird gestoppt.

    Diese Geschichte höre ich immer wieder. In Folge 5 von „The Promptfather“ sitzt eine Abteilungsleiterin vor mir und ist empört: ein einziger Fehler, und der Vorstand hat alles abgedreht. Man könne sich doch nicht auf etwas verlassen, das Fehler macht.

    Der Promptfather erzählt ihr von 1912. Die ersten Autos hatten Unfälle, man wollte sie fast wieder verbieten. Verglichen hat man sie mit einem Ideal von Sicherheit. Nicht mit dem, was tatsächlich auf den Straßen unterwegs war: Pferdefuhrwerke, die täglich Menschen verletzten.

    Dann legt er zwei Akten auf den Tisch. Links die Fehler der Maschine. Rechts die Fehler der Abteilung, aus einem einzigen Jahr. Der rechte Stapel reicht bis zur Decke.

    The Promptfather Episode 5 Cover: Der Maßstab
    Man kommt nicht zum Promptfather, weil die Maschine perfekt war
    Empörte Abteilungsleiterin: Die KI hat einen Fehler gemacht
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Man kann sich doch nicht auf etwas verlassen, das Fehler macht
    Der Promptfather am Fenster, im Fenster eine Straßenszene von 1912
    Sepia-Rückblende: Pferdefuhrwerk-Unfall 1912
    Links die Fehler der Maschine, rechts Ihre eigenen
    Die Lehre des Don: Fair wäre der Vergleich mit uns

    Wir halten KI gegen Perfektion. Und merken nicht, dass wir uns selbst diesem Maßstab nie ausgesetzt haben.

    Wie viele Fehler hat Ihr Team letztes Jahr gemacht? Und wie viele davon haben ein Projekt gekostet?

  • Unlimitierte Intelligenz #2: Was sich gerade wirklich geändert hat

    Unlimitierte Intelligenz #2: Was sich gerade wirklich geändert hat

    Denken Sie an die letzte wichtige Entscheidung in Ihrer Organisation. Eine Strategie, eine Investition, eine Umstrukturierung.

    Wie viele kluge Köpfe haben tatsächlich mitgedacht? Zwei? Fünf? Vielleicht zehn, wenn es ein großer Wurf war.

    Und jetzt die unbequeme Anschlussfrage: Waren das die zehn klügsten Köpfe, die es zu diesem Thema gibt?

    Natürlich nicht. Es waren die zehn, die verfügbar waren. Die im richtigen Gebäude saßen, im richtigen Kalender Platz hatten, im richtigen Budget untergebracht waren.

    Das ist keine Kritik an Ihrer Organisation. Das ist die Bedingung, unter der Menschen immer gearbeitet haben: Intelligenz war knapp.

    Woran man eine Knappheit erkennt

    Man erkennt eine Knappheit daran, was Menschen erfunden haben, um mit ihr fertigzuwerden:

    • Die Hierarchie: Wenige denken, viele führen aus — weil Denkleistung nicht überall verfügbar war
    • Das Expertentum: Weil niemand alles wissen kann, wird der Zugang zum Spezialisten zum Engpass
    • Das Meeting: Wir synchronisieren knappe Köpfe auf ein Zeitfenster, weil ihr gleichzeitiges Denken anders nicht zu haben ist
    • Der Bericht: Weil die Entscheiderin nicht alles lesen kann, verdichten andere für sie — und bei jeder Verdichtung geht etwas verloren

    Sogar unsere Vorstellung von guter Arbeit ist ein Kind der Knappheit. Wir loben Menschen dafür, dass sie mit wenig Information gut entscheiden. Das sind echte Tugenden — aber Tugenden des Mangels, so wie Sparsamkeit eine Tugend der Armut ist.

    Sie beantworten die Frage: Wie hole ich das Beste aus zu wenig Denkkapazität?

    Niemand hat uns je beigebracht, die andere Frage zu stellen. Sie war nie relevant: Was tue ich, wenn Denkkapazität kein Engpass mehr ist?

    Wir verhandeln mit einer unbegrenzten Ressource

    Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist genau das der Fall. Und weil es das nie gab, haben wir keinerlei Übung darin.

    Das sieht man an einem Verhalten, das mir täglich begegnet: Jemand bittet die KI um fünf Ideen. Zwei sind brauchbar. Vorgang abgeschlossen.

    Da hat ein Mensch mit einer unbegrenzten Ressource verhandelt, als säße ihm ein beschäftigter Kollege gegenüber.

    Dabei dürfte man sagen: Diese fünf reichen mir nicht, gib mir fünfzig. Das klingt nach schlechtem Benehmen und ist einfach die angemessene Arbeitsweise mit einer unbegrenzten Ressource.

    Ein Selbstversuch für diese Woche

    Nehmen Sie eine echte Aufgabe. Stellen Sie Ihre Anfrage wie immer. Und dann verzehnfachen Sie — wörtlich.

    Beobachten Sie dabei zwei Dinge. Was bei Vorschlag 37 auftaucht, das bei Vorschlag 5 nie aufgetaucht wäre. Und Ihr eigenes leises Unbehagen beim Verzehnfachen.

    Das ist Ihr Knappheitsdenken. Sie begegnen ihm gerade zum ersten Mal von außen.

    Wo in Ihrer Arbeit geben Sie sich mit dem zufrieden, was nach fünf Runden auf dem Tisch liegt?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit dem, was der eigentliche technische Durchbruch war und ständig unterschätzt wird, warum Knappheit nicht nur unsere Prozesse geformt hat, sondern unsere Ambitionen — und weshalb auch unsere Fragen an die KI zu klein sind.

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  • The Promptfather #4 – Das Tumorboard

    The Promptfather #4 – Das Tumorboard

    „Dafür bräuchte man ein ganzes Gremium. Das kann sich niemand leisten.“

    Diesen Satz höre ich in Organisationen ständig. In Folge 4 von „The Promptfather“ sagt ihn ein Ingenieur, der seit Wochen an einem Problem festhängt. Statiker, Juristin, Materialphysiker – die bräuchte er alle. Sie sind zu dritt in der Abteilung.

    Der Promptfather erzählt ihm vom Landarzt. Vor hundert Jahren entschied der allein über Leben und Tod, mitten in der Nacht, ohne jemanden zum Fragen. Die Medizin hat daraus eine Lehre gezogen: Niemand sollte allein entscheiden, was viele besser wissen. Deshalb gibt es heute das Tumorboard.

    Dann dreht er den Laptop um.

    The Promptfather Episode 4 Cover: Das Tumorboard
    Man kommt nicht zum Promptfather, weil man alles allein schafft
    Erschöpfter Ingenieur: Dafür bräuchte man ein ganzes Gremium
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Wir sind zu dritt in der Abteilung
    Der Promptfather am Fenster, im Fenster ein Landarzt bei Nacht
    Sepia-Rückblende: Landarzt allein am Krankenbett
    Das Gremium sitzt seit zwei Jahren auf Ihrem Schreibtisch
    Die Lehre des Don: Nur eine Frage der richtigen Frage

    Was seit Jahrzehnten nur Konzernen und Kliniken vorbehalten war, steht heute auf jedem Schreibtisch. Sie können sich jederzeit ein Gremium zusammenrufen: eine Juristin, die auf Risiken schaut. Einen Physiker, der die Materialfrage prüft. Einen Skeptiker, der Ihre Lieblingsidee auseinandernimmt.

    Die Kosten sind nicht mehr das Hindernis. Die fehlende Gewohnheit ist es.

    Wen würden Sie in Ihr Gremium berufen, wenn es nichts kosten würde?

  • #1: Die Dampfmaschine steht noch im Keller

    #1: Die Dampfmaschine steht noch im Keller

    1890 kauften Fabrikbesitzer den Elektromotor. Sie stellten ihn genau dorthin, wo vorher die Dampfmaschine stand. Und die Produktivität stieg: um null Prozent.

    Vierzig Jahre lang.

    Der Wirtschaftshistoriker Paul David hat das 1990 untersucht. Der Elektromotor war ab den 1880ern verfügbar, die messbaren Produktivitätsgewinne kamen erst in den 1920ern. Nicht, weil die Motoren schlecht waren. Sondern weil niemand die Fabrik neu dachte.

    Die alten Fabriken waren um eine zentrale Transmissionswelle gebaut. Maschinen standen dort, wo die Lederriemen hinreichten — nicht dort, wo die Arbeit am besten floss. Als der Elektromotor kam, tauschten alle den Antrieb. Die Welle blieb.

    Erst als eine neue Generation fragte „Was wird möglich, wenn jede Maschine ihren eigenen Motor hat?“, fiel die Welle weg. Die Maschinen konnten dem Arbeitsfluss folgen. Fabriken wurden flach statt hoch. Und plötzlich war etwas denkbar, das vorher physisch unmöglich war: das Fließband.

    Fords Fließband von 1913 war keine Motorinnovation. Es war eine Organisationsinnovation.

    ➡️ Die Technologie war ab Tag eins da
    ➡️ Was vierzig Jahre fehlte, war Vorstellungskraft
    ➡️ Der Hebel lag nie in der Maschine, sondern in dem, was Menschen mit ihr zu denken wagten

    Ich sehe diese Fabrik von 1890 heute ständig. In Konzernzentralen, in Verwaltungen, im Mittelstand.

    Eine Organisation führt einen KI-Chatbot ein und ist stolz, dass die Mitarbeiter schneller E-Mails schreiben. Das ist der Elektromotor an der Transmissionswelle. Man hat eine Tätigkeit aus der alten Welt beschleunigt und nennt das Transformation.

    Die Frage, die weiterführt, klingt fast gleich und ist eine völlig andere:

    Nicht: Wo kann KI unsere Prozesse schneller machen? Sondern: Welche unserer Prozesse existieren überhaupt nur, weil Intelligenz bisher knapp war?

    Ein vierstufiger Genehmigungsworkflow ist eine Antwort auf knappe Prüfkapazität. Ein Jahresbericht statt laufender Analyse ist eine Antwort auf knappe Auswertungskapazität. Ein Standard-Newsletter für zehntausend verschiedene Menschen ist eine Antwort auf knappe Schreibkapazität.

    Fällt die Knappheit weg, fällt die Begründung weg.

    Und diesmal haben wir keine vierzig Jahre. Der Elektromotor von 1895 war ungefähr so gut wie der von 1890. Generative KI verdoppelt ihre Fähigkeiten in Zeiträumen, in denen klassische IT-Projekte nicht mal ihr Kickoff hinter sich bringen.

    Ein konkreter Auftrag für diese Woche, er kostet weniger als eine Stunde:

    Nehmen Sie einen Prozess, den Sie gut kennen. Fragen Sie: Welche Annahme über Knappheit steckt darin? Und wie sähe er aus, wenn Sie ihn heute zum ersten Mal entwerfen würden?

    Erlauben Sie sich dabei Antworten, die nach Übertreibung klingen. Das Fließband klang 1890 auch nach Übertreibung. 🚀

    Welche Transmissionswelle steht in Ihrer Organisation noch im Keller — und wer traut sich, sie anzusprechen?


    Die ausführliche Fassung dieser Ausgabe erscheint in meiner Serie „Unlimitierte Intelligenz“: mit der vollständigen historischen Herleitung, den drei Sätzen, an denen Sie Dampfmaschinendenken im Alltag erkennen, und warum „wir haben das getestet, es war nicht gut genug“ der teuerste Satz der Transformation ist.

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  • The Promptfather #3 – Der fünfte Entwurf

    The Promptfather #3 – Der fünfte Entwurf

    Wann haben Sie das letzte Mal einen sechsten Entwurf verlangt?

    In Folge 3 von „The Promptfather“ sitzt eine Marketingleiterin vor mir und ist zufrieden. Fünf Entwürfe hat die KI geliefert, der fünfte war gut, den hat sie genommen. Sauber gearbeitet, könnte man sagen.

    Der Promptfather sieht das anders. Er erzählt ihr von 1850. Ein Familienporträt kostete damals einen Wochenlohn. Eine Platte, ein Versuch, keine zweite Chance. Die Leute lernten, sich mit dem einen Bild abzufinden, das sie bekamen.

    The Promptfather Episode 3 Cover: Der fünfte Entwurf
    Man kommt nicht zum Promptfather, weil man zufrieden ist
    Marketingleiterin: Die KI hat mir fünf Entwürfe geliefert
    Nahaufnahme des Promptfather, der schweigt
    Fünf Versuche sind doch großzügig
    Der Promptfather am Fenster, im Fenster ein Fotostudio des 19. Jahrhunderts
    Sepia-Rückblende: Familie vor der Plattenkamera
    Damals war das Tugend. Heute ist es Gewohnheit.
    Die Lehre des Don: Intelligenz ist nicht mehr knapp

    Diese Sparsamkeit steckt uns bis heute in den Knochen. Wir behandeln Denkarbeit wie eine teure Fotoplatte: Ein Entwurf muss reichen, fünf sind schon Luxus. Aber die Knappheit, die dieses Verhalten einmal vernünftig gemacht hat, gibt es nicht mehr.

    Fordern Sie hundert Varianten. Verwerfen Sie neunundneunzig. Das ist keine Verschwendung mehr, das ist der Punkt.

    Intelligenz ist nicht mehr knapp. Nur unsere Ansprüche sind es.

    Bei welchem Ergebnis hören Sie normalerweise auf?

  • Die KI war down. Und alle haben gewartet.

    Die KI war down. Und alle haben gewartet.

    Das erzählen mir gerade immer mehr Leute: Wenn ChatGPT oder Claude mal ausfällt, machen sie die Aufgabe nicht einfach selbst. Sie warten, bis das Tool wieder da ist.

    Die Logik dahinter ist eigentlich rational: Mit KI bin ich in 10 Minuten fertig. Ohne brauche ich zwei Stunden. Warum also jetzt anfangen, wenn der Ausfall in 30 Minuten vorbei ist? ⏳

    Vor zwei Jahren hätten wir das absurd gefunden. Heute ist es Alltagsökonomie.

    Und ehrlich: Wir kennen das längst. Niemand rechnet die Steuererklärung händisch, wenn die Software gerade streikt. Niemand fährt ohne Navi los, wenn man die Route nicht kennt. Wir warten auf unsere Werkzeuge, weil sie Teil unserer Arbeitsweise geworden sind.

    Spannend wird die Frage dahinter: Warten wir, weil es effizienter ist? Oder warten wir, weil wir es ohne gar nicht mehr wollen? 🤔

    Ich glaube, genau da entscheidet sich, ob KI eine Superkraft ist oder eine Krücke:
    ➡️ Superkraft: Ich könnte es selbst, aber mit KI bin ich schneller und besser.
    ➡️ Krücke: Ich fange ohne KI gar nicht mehr an.

    Der Unterschied liegt nicht im Tool. Er liegt in uns.

    Habt ihr das bei euch schon beobachtet? Wartet ihr auf die KI — und wenn ja, warum eigentlich?